Kritische Analyse der Ergebnisse der EMPA-Studie
Umfeld und Warnung
Die im Frühling 2007 von der EMPA unter dem Titel "Ökobilanzierung von Bioenergie" veröffentlichte Studie zieht eine negative Bilanz der ökologischen Auswirkungen von Biotreibstoffen. Sie enthält jedoch einige schwache Punkte, die hervorgehoben werden müssen.
Ergebnisse der Analyse von Alcosuisse
Wir sind der Auffassung, dass die vorgestellten Ergebnisse und der angeblich objektive Ansatz der Analyse einer tiefer greifenden Analyse nicht standhalten können:
Ein einseitig ausgerichteter Ansatz - eine nicht ganz harmlose Methodologie
- Die Ergebnisse der Studie werden als definitiv präsentiert und schränken die Nutzung von Biotreibstoffen klar ein. Eine tief greifende Analyse jedoch zeigt klar auf, dass der Ansatz der Studie einseitig ausgerichtet ist und eine grosse Anzahl der Argumente leicht anfechtbar ist.
- Die allgemeine Methodologie, die Organisation der Studie, die a-priori-Wahl sowie die Arbeitshypothesen haben einen ausgesprochen negativen Einfluss auf die Ergebnisse. Dieser Aspekt wurde bei der Veröffentlichung des Berichts jedoch verschwiegen.
Abwegige Vergleiche mit Erdölerzeugnissen
- Der Ansatz beruht auf einem direkten Vergleich zwischen der Verwendung von Biotreibstoffen und fossilen Treibstoffen. Dies würde aber nur in einem spezifischen Kontext Sinn machen, und zwar dann, wenn die Vorräte an fossilen Treibstoffen (insbesondere Erdöl) unerschöpflich wären und deren Verbrauch keine negativen Auswirkungen auf das Klima hätte. Das ist natürlich nicht der Fall. Die Autoren gingen in ihrer Studie davon aus, dass die Menschheit noch die Wahl zwischen zwei Alternativen hat: einerseits enorme Mengen an CO2 freizusetzen und die Erdölvorräte aufzubrauchen, andererseits nach nachhaltigeren Lösungen zu suchen. Aber wir haben keine Wahl mehr. Und jegliche Auffassung, die eine solche auch nur andeutet, ist falsch.
- Die Probleme im Zusammenhang mit Erdölprodukten, wie ihre Nichterneuerbarkeit (Bewahrung für andere Zwecke), das Freisetzen von Treibhausgasen, die starke Energieabhängigkeit und das hohe Risiko einer grösseren unfallbedingten Umweltverschmutzung, wurden in der Gesamtbeurteilung praktisch nicht berücksichtigt.
Ausrichtung der Studie
- Die Ausrichtung der Studie vernachlässigt den strategischen politischen Ansatz der Einführung von Biotreibstoffen als Klimaschutzmassnahme sowie zur Entwicklung erneuerbarer Energien.
- Die Studie konzentriert sich auf die landwirtschaftliche Phase der Biotreibstoffherstellung und somit auf eine Etappe, die beim Erdöl natürlich nicht existiert. Bei gewissen Produktionsstrukturen macht die landwirtschaftliche Phase 98 % der Erwägungen aus.
- Die Methodologie legt sehr viel Gewicht auf gewisse Schadstoffe der landwirtschaftlichen Phase (inexistent beim Erdöl), auch wenn diese in absoluten Werten oft sehr gering sind.
- Die Beispiele und Hypothesen sind systematisch zuungunsten der Biotreibstoffe ausgerichtet.
- Bestehendem oder bereits umgesetztem Optimierungspotenzial wird in keinem der Beispiele Rechnung getragen.
- Verallgemeinerungen eines Rohstoffes aufgrund einer spezifischen Situation sind nicht zulässig, denn jeder wirkliche Produktionsbetrieb würde sich von einem solchen Spezialfall distanzieren.
- Die Verwendung von Ethanol steigert den Wirkungsgrad des Motors und führt folglich zu einem geringeren Treibstoffverbrauch. Diese Tatsache wurde durch verschiedene Messkampagnen im In- und Ausland bestätigt. Die EMPA-Studie hingegen berücksichtigt sie nicht, was die Ergebnisse um rund 50 % verschlechtert.
- Die Vorzüge der Biotreibstoffe werden völlig unterschätzt.
Weitere Informationen zum Thema: Siehe unsere tief greifende Analyse sowie unsere Vorschläge zur Durchführung von Bewertungen der Nachhaltigkeit (nur auf französisch).
Auswirkungen der Ergebnisse dieser Studie
Aus den zahlreichen oben genannten Gründen ist die EMPA-Studie als nicht repräsentativ zu bewerten. Aufgrund fehlender weiterer Gesamtstudien in der Schweiz wurden die Gesamtergebnisse dieser undifferenzierten Studie von der Presse weit verbreitet, was zu einer starken Beeinträchtigung des Vertrauens der Öffentlichkeit in Biotreibstoffe führte. Zudem gilt die Studie heute als anerkannt und verschiedene Schweizer Stellungnahmen beziehen sich darauf. Dies wird auch im Ausland der Fall sein, denn auch das negative Ergebnis der OCDE-Umweltbeurteilung von Biotreibstoffen beruht auf ihr. Die Organisation empfiehlt den europäischen Regierungen sogar auf eine weitere Unterstützung der Entwicklung von Biotreibstoffen zu verzichten. Für uns ist es unhaltbar, dass eine dermassen einseitig ausgerichtete und somit unglaubwürdige Studie als Basis für wichtige politische Entscheide dienen kann.


