FAQ:

Herstellung und Verwendung von Ethanoltreibstoff, E85 und Flexi-Fuel-Fahrzeugen (FFV)

Fragen und Antworten

1. Biotreibstoffe werden als die ersten hauptverantwortlichen Faktoren für den Anstieg der Lebensmittelpreise aufgeführt. Ist das wahr?

Nachdem die Biotreibstoffe zuerst als Patentrezept zur Lösung der Klima- und Energieprobleme des 21. Jahrhunderts präsentiert wurden, wird heute schlecht über sie geredet. Es sind zahlreiche Fragen rund um die Biotreibstoffe offen und es ist notwendig kritisch zu sein, um die besten Produktionsstrukturen zu fördern. Es sind auch Debatten im Gange, die von stark ideologischen Meinungen sowie einem hohen Informationsmangel geprägt sind. Auch für den starken Anstieg der Landwirtschaftspreise im Winter 2007-2008 wurden die Treibstoffen verantwortlich gemacht. Dass diese Argumentation jedoch keine Berichtigung hat, zeigt der starke Preisrückgang (- 50 %) auf, der aktuell zu verzeichnen ist, ohne dass dabei das Wachstum der Biotreibstoffe beeinträchtigt worden wäre oder der Lebensmittelverbrauch der Bevölkerung abgenommen hätte. Biotreibstoffe spielten in einer sehr angespannten Phase eine psychologische Rolle, waren aber schliesslich nur ein unbedeutender Akteur im scharfen, spekulativen Preisanstieg.

2. Werden Biotreibstoffe nicht die verfügbaren Flächen der Subsistenzlandwirtschaft verringern und deshalb schlimme Krisen auslösen?

Die Frage des Wettbewerbs um anbaubaren Boden stellt sich in der Tat und ist komplex. In diesem komplexen Zusammenhang darf nicht vergessen werden, dass die FAO die weltweite Bewirtschaftung von landwirtschaftlichen Anbauflächen auf lediglich 60 % schätzt und die Erde nachhaltig 10 bis 12 Mia. Menschen ernähren kann. Die Erhöhung der Effizienz der Landwirtschaft in gewissen Regionen (insbesondere Afrika) dürfte zu Hektarerträgen führen, die im Vergleich zu heute zehnmal grösser sind. Die technologischen Entwicklungen im Bereich der zweiten Generation ermöglichen zudem eine Verwendung von nicht essbaren Pflanzenteilen und dadurch de facto zu einer zweiten energetischen Ernte mit denselben Pflanzen. Ausserdem wachsen gewisse Pflanzen, die für die zweite Generation von Treibstoffen verwendet werden, auf trockenen und kargen Böden. Sie ermöglichen die Regenerierung der Böden, die sonst ihre Fruchtbarkeit verloren hätten und nicht oder nicht mehr landwirtschaftlich genutzt würden. Alle diese Faktoren sind mit einer Art grünen Revolution verbunden, die in den Ländern des Südens stattfinden muss und denen eine neue Investitionspolitik sowie neue Vertriebs- und Landwirtschaftspraktiken zugrunde liegen müssen. Ein solcher Ansatz muss mit einer positiven Entwicklung der landwirtschaftlichen Produktion und der Biotreibstoffherstellung einhergehen.

Bis der nächste grosse technologische Schritt eingeläutet wird, wird es Regionen geben, wo der Lebensmittelanbau Vorrang hat bzw. sogar ausschliesslich praktiziert wird.

Eine nachhaltige Entwicklung der Biotreibstoffe ist eine Chance, um eine ungerechte, unangemessene oder gar unvorhandene Landwirtschaftspolitik zugunsten der Landwirte zu verändern. Die heute ausschliesslich im Bereich der Biotreibstoffe auferlegten Anforderungen an die Nachhaltigkeit werden auch auf die Subsistenzlandwirtschaft ausgedehnt werden. Zudem werden Investitionen, die heute noch nicht vorhanden sind, durch die Biotreibstoffentwicklung attraktiv. Es ist klar, dass die Schweiz den mit dem neuen Mineralölsteuergesetz eingeschlagenen Weg fortsetzen muss. (Siehe erwartete Studie der IEA zum Potenzial von Biomasse).

3. Die Ökobilanz der Biotreibstoffe ist umstritten. Biotreibstoffe führen nicht zur erwarteten Energieeinsparungen und CO2-Reduktion und verschmutzen die Umwelt noch mehr als Erdöl ...

In erster Linie ist zu betonen, dass es keine Biotreibstoffökobilanz an sich gibt, denn in Wirklichkeit gibt es zahlreiche Biotreibstoffe, die aus verschiedenen Rohstoffen und mit verschiedenen Herstellungsmethoden gewonnen werden, sowie verschiedene Evaluationsmethoden (Lebenszyklusanalyse), die für dasselbe Produkt zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Allgemein kann gesagt werden, dass heute bei allen Methoden die Elemente bekannt sind, die es ermöglichen, in Bezug auf die CO2-Bilanz und die Energieeffizienz positive Ergebnisse zu erzielen. Man weiss also auch, dass es durchaus vernünftig ist, in Bezug auf den CO2-Ausstoss im Vergleich mit Erdölprodukten eine Reduktion von 40 bis 50 % zu verlangen. Reduktionen von rund 80 % können sogar erreicht werden mit Ethanol aus Zuckerrohr und lignozellulosehaltigen Rohstoffen. Was die Energiebilanz betrifft, so können Biotreibstoffe 2- bis 8-mal mehr Energie liefern als an nicht erneuerbarer Energie gebraucht wurde, um sie herzustellen.

Die Gesamtökobilanz hängt stark von der angewendeten Methode ab. Bei gewissen Ansätzen wird die Analyse der Schadstoffe in der landwirtschaftlichen Phase besonders gewichtet. Dann ist es für Biotreibstoffe natürlich schwierig gegen Erdölprodukte anzutreten, die keine landwirtschaftliche Phase kennen und deren Bilanz deshalb nicht durch solche Schadstoffe belastet ist.

Wenn heute die Landwirtschaft, die in die Herstellung von zahlreichen Biotreibstoffen impliziert ist, noch zu verschmutzend ist, dann ganz einfach deshalb, weil sie dieselben umstrittenen Praktiken anwendet wie die traditionelle Landwirtschaft für die Nahrungsmittelherstellung für Menschen und Tiere. Aber auch hier sind die verfügbaren Mittel zur Reduktion der Schadstoffe bekannt.

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4. Warum ist bei der Verwendung von E85 ein erhöhter und bei der Verwendung von bEnzin5 ein reduzierter Treibstoffverbrauch zu verzeichnen?

Der Brennwert (innere Energie) von Ethanol ist geringer als derjenige von Benzin (- 30 %). In E100 (100 % Ethanol) führt diese Eigenschaft zu einem um 40 bis 50 % höheren Treibstoffverbrauch. Mit der Beimischung von 15% Benzin wird das Treibstoffgemisch leistungsfähiger und der Mehrverbrauch beträgt noch 15 bis 30 %. Die Auswirkung von Ethanol in bEnzin5 ist jedoch positiv, denn mit Ethanol wird dem Treibstoff verbrennungsfördernder Sauerstoff zugeführt, was gleichzeitig zu einer höheren Motorleistung führt. Messkampagnen ergeben sogar eine Verbrauchsreduktion.

5. Welches sind die Vorteile von E85 für die Händler, die Verwaltungen und die Unternehmen in Bezug auf andere Treibstoffe?

Das Verhältnis Investitionskosten zu CO2-Einsparung ist bei E85 äusserst viel versprechend. Der CO2-Ausstoss bei E85 ist zum Beispiel dreimal geringer als bei Erdgas und die Anpassung einer E85-Tanksäule kann auf (mindestens) 15 Franken beschränkt werden. Die Erstellung einer Erdgas-Tanksäule hingegen kostet um die 300'000 Franken. Zudem kann mit Flexi-Fuel-Fahrzeugen, im Gegensatz zu Erdgasfahrzeugen, überall getankt werden, da diese sowohl mit E85 als auch mit herkömmlichem Benzin betrieben werden können. Der Preis eines FFVs unterscheidet sich nur wenig vom Basismodell, was bei Erdgasfahrzeugen nicht der Fall ist.

6. Welche Garantie besteht dafür, dass die CO2-Reduktion bei importierten Produkten gleich hoch sein wird wie sie für Schweizer Bioethanol berechnet wurde?

Beim Rohrzucker erweisen sich Energiebilanz und Bilanz der CO2-Emissionen als sehr interessant dank einiger Faktoren wie landwirtschaftliche Erträge und Verwendung von Bagasse (Zellulose) für die beim Herstellungsprozess benötigte Industriewärme. Ausserdem hat der Transport auf dem Wasserweg nur eine beschränkte Auswirkung auf die globale CO2-Bilanz. Die bekannt gegebenen Werte müssen jedoch noch bestätigt werden.

7. Wäre es demnach nicht interessanter alles zu importieren?

Alcosuisse setzt sich aus verschiedenen Gründen für eine einheimische Produktion ein: Auch die Schweiz soll ihren Beitrag leisten (an die 3/4 der CO2-Emissionen werden auf der Nordhalbkugel verursacht, es können deshalb nicht nur von den südlich gelegenen Ländern Massnahmen gefordert werden); Beitrag an die Energieunabhängigkeit; eine Spitzenindustrie lancieren bzw. in einer späteren Phase Absatzmärkte für die Schweizer Landwirtschaft finden usw. Andere europäische Länder unterstützen die einheimische Produktion durch eine bewusste Politik.

8. Die Entwicklung der Ethanolproduktion in Brasilien ist nicht ohne Risiken für die Umwelt und die Gesundheit der Arbeiter. Was muss unternommen werden, um diese zu beseitigen?

Alcosuisse schlägt vor, eine Bestimmung ins neue Mineralölsteuergesetz aufzunehmen, die vorsieht, die Steuerbefreiung nur zu gewähren, wenn die Kriterien der nachhaltigen Entwicklung erfüllt sind. Das Parlament nahm diese Argumente im Text des neuen Mineralölsteuergesetzes wieder auf. Somit wird ausschliesslich auf Produkte, bei denen umweltfreundliche und sozialverträgliche Herstellungs- und Umwandlungsbedingungen gewährleistet sind, eine Steuerbefreiung gewährt. Ähnliche Anforderungen werden auch auf europäischer Ebene diskutiert und die UNO arbeitet an einem Label zur nachhaltigen Entwicklung für Biotreibstoffe. Massnahmen zur Förderung von Biotreibstoffen stellen ein wichtiges Mittel für die Umsetzung von Anforderung zugunsten einer nachhaltigen Entwicklung dar. In Brasilien unterstützen Organisationen wie der WWF die Entwicklung von Biotreibstoffen, unter der Bedingung, dass die aktuelle günstige Entwicklung andauert (Verbesserung der ökologischen und sozialen Bedingungen, Schaffung von Labels, Ansätze zu partizipativen Kontrollen).

9. Ist es nicht missbräuchlich von Bioethanol zu reden, wenn die landwirtschaftlichen Produkte gar nicht zwingend aus biologischem Anbau stammen?


Die Vorsilbe "Bio" bezieht sich hier auf die pflanzliche Herkunft der Rohstoffe (Biomasse), im Gegensatz zu Syntheseethanol, das aus Erdöl gewonnen wird. Der Begriff "Agrotreibstoff" eignet sich nur für Produkte, die auf landwirtschaftlichen Erzeugnissen beruhen, was nicht für alle Biotreibstoffe zutrifft.

10. Wie werden sich die Ethanolherstellungskosten in der Schweiz entwickeln?

 
Derzeit liegt der Herstellungspreis bei etwas mehr als einem Franken pro Liter, was einem Verkaufspreis von CHF 1.20 ab Delémont entspricht, d.h. nach Transport, Handling, Lagerung, Qualitätskontrolle usw. Die Herstellungskosten werden demnächst auf ungefähr einen Franken pro Liter sinken.

11. Wie hoch ist der Preis von Ethanol aus Brasilien?

   
Zuerst muss erwähnt werden, dass Ethanol in entwässerter Form (Bioethanol als Treibstoff) in Europa strengen Anforderungen unterliegt, die längst nicht alle Produkte aus Brasilien erfüllen. Die Einhaltung dieser Bedingungen bedingt zusätzliche Kosten hinsichtlich Herstellung, Lagerung, Handling, Transport und Kontrolle.

Die Idee des Projektes in Delémont liegt in der Fertigstellung des Endprodukts in der Schweiz. Dies ermöglicht eine Verringerung der Kosten, einen einfacheren Transport in die Schweiz, die Gewährleistung höchster Qualität sowie die Orientierung nach der Nachfrage.