Ethanoltreibstoff weltweit

Etwas Geschichte

Die Verwendung von Bioethanol als Treibstoff ist so alt wie das Auto selbst. Die ersten Ford T, die 1908 in Detroit vom Fliessband kamen, hätten mit Ethanol fahren sollen, aber das grosse Angebot an Erdöl zu niedrigen Preisen fegte die Biotreibstoffe wieder vom Markt. Seit der Erdölkrise von 1973 erleben Bioethanoltreibstoffe jedoch dank der Unterstützung von verschiedenen Regierungen einen erneuten Aufschwung. Seit einigen Jahren wächst die Jahresweltproduktion ständig. Die Gründe dafür sind die folgenden:

  • Drastischer Anstieg des Erdölpreises (Barrelpreis von 10 $ im Jahr 1998 auf 100 $ im Jahr 2007)
  • Grosser erwarteter Nutzen für die Umwelt, insbesondere aufgrund des Potenzials zur Reduktion von CO2-Emissionen
  • Bedürfnis der Energieunabhängigkeit und -sicherheit
  • Neue Absatzmöglichkeiten für landwirtschaftliche Produkte
  • Ersatz von im Benzin enthaltenen giftigen und umweltschädlichen Substanzen

Die weltweite Situation

Brasiliens Umweltpolitik setzt auf freiwillige Selbstverpflichtung und ist dadurch das fortschrittlichste Land in der Produktion und beim Einsatz von Bioethanol geworden. 2006 wurden rund 18 Milliarden Liter Ethanol (aus Zuckerrohr) produziert, was 40 % des Treibstoffverbrauchs der Personenwagen entspricht. 80 % der Zulassungen sind heute Flexi-Fuel-Fahrzeuge (zu 85 % mit Ethanol betrieben). Brasilien sieht vor, seine Produktion noch vor 2015 zu verdoppeln.
Mit 18,6 Milliarden produzierten Litern Ethanol - praktisch ausschliesslich aus Mais - überholten die USA Brasilien 2006 erstmals.
Auch aufstrebende Länder wie Indien oder China setzen vermehrt auf Biotreibstoffe. 

Die Situation in Europa

In Europa startete Ethanol seine Karriere in Frankreich als Bestandteil von ETBE, einem Zusatz zur Erhöhung der Oktanzahl. Heute wird Ethanol vor allem direkt dem Benzin beigemischt. Deutschland war 2006 mit 450 Millionen Liter vor Spanien und Frankreich der grösste Produzent. 2006 produzierte Europa insgesamt 1,5 Milliarden Liter Ethanol. Was dessen Verwendung betrifft, nimmt Schweden klar die Vorreiterrolle ein: Die gesamte in diesem Land getankte Menge an Benzin enthält 5 % Bioethanol. Das Tankstellennetz für E85 (85 % Ethanol und 15 % Benzin) wird laufend ausgebaut und soll bald 1000 Tankstellen umfassen.

Die Zukunft

Die EU hat sich für eine Unterstützung von Biotreibstoffen entschieden, indem sie die Mitgliedsstaaten vor allem durch steuerliche Anreize (F, E, S) oder Beimischungspflicht (D) dazu auffordert, diese generell einzusetzen. Das Minimalziel der EU ist, bis ins Jahr 2010 bzw. 2020 5,75 % bzw. 10 % des Treibstoffbedarfs mit Biotreibstoff abzudecken. Einige Länder verlangen, dass die Ziele noch höher gesteckt werden.

 

Eine interessante Überlegung ist zudem, dass Bioethanol in Zukunft auch Brennstoffzellen antreiben könnte.