Tanken : Tankstellen mit E5 und E85

FAQ: Verwendung von Ethanoltreibstoff, E85 und Flexi-Fuel-Fahrzeugen (FFV)

Fragen und Antworten


1. Warum ist bei der Verwendung von E85 ein erhöhter und bei der Verwendung von bEnzin5 ein reduzierter Treibstoffverbrauch zu verzeichnen?

Der Brennwert (innere Energie) von Ethanol ist geringer als derjenige von Benzin (30 %). In E100 (100 % Ethanol) führt diese Eigenschaft zu einem um 40 bis 50 % höheren Treibstoffverbrauch. Mit der Beimischung von 15 % Benzin wird das Treibstoffgemisch leistungsfähiger und der Mehrverbrauch beträgt noch 15 bis 30 %. Die Auswirkung von Ethanol in bEnzin5 ist jedoch positiv, denn mit Ethanol wird dem Treibstoff verbrennungsfördernder Sauerstoff zugeführt, was gleichzeitig zu einer höheren Motorleistung führt.

2. Welches sind die Vorteile von E85 für die Händler, die Verwaltungen und die Unternehmen in Bezug auf andere Treibstoffe?

Das Verhältnis Investitionskosten zu CO2-Einsparung ist bei E85 äusserst viel versprechend. Der CO2-Ausstoss bei E85 ist zum Beispiel dreimal geringer als bei Erdgas und die Anpassung einer E85-Tanksäule kann auf (mindestens) 15'000 Franken beschränkt werden. Die Erstellung einer Erdgas-Tanksäule hingegen kostet um die 300'000 Franken. Zudem kann mit Flexi-Fuel-Fahrzeugen, im Gegensatz zu Erdgasfahrzeugen, überall getankt werden, da diese sowohl mit E85 als auch mit herkömmlichem Benzin betrieben werden können. Der Preis eines FFVs unterscheidet sich praktisch nicht vom Basismodell, was bei Erdgasfahrzeugen nicht der Fall ist.

3. Welche Garantie besteht dafür, dass die CO2-Reduktion bei importierten Produkten gleich hoch sein wird wie sie für Schweizer Bioethanol berechnet wurde?

Beim Rohrzucker erweisen sich Energiebilanz und Bilanz der CO2-Emissionen als sehr interessant dank einiger Faktoren wie Handarbeit auf den Feldern, landwirtschaftliche Erträge sowie Verwendung von Bagasse (Zellulose) für die beim Herstellungsprozess benötigte Industriewärme. Ausserdem hat der Transport auf dem Wasserweg nur eine beschränkte Auswirkung auf die globale CO2-Bilanz. Die bekannt gegebenen Werte müssen jedoch noch bestätigt werden.

4. Wäre es demnach nicht interessanter alles zu importieren?

Alcosuisse setzt sich aus verschiedenen Gründen für eine einheimische Produktion ein: Auch die Schweiz soll ihren Beitrag leisten (an die 3/4 der CO2-Emissionen werden auf der Nordhalbkugel verursacht, es können deshalb nicht nur von den südlich gelegenen Ländern Massnahmen gefordert werden); Beitrag an die Energieunabhängigkeit; eine Spitzenindustrie lancieren; neue Absatzmärkte für die Schweizer Landwirtschaft finden usw. Andere europäische Länder unterstützen die einheimische Produktion durch eine bewusste Politik. Die Weltproduktion kann die Nachfrage nur schwer decken und die Tendenz der Preise ist deshalb steigend.

5. Die Entwicklung der Ethanolproduktion in Brasilien ist nicht ohne Risiken für die Umwelt und die Gesundheit der Arbeiter. Was muss unternommen werden, um diese zu beseitigen?

Alcosuisse schlägt vor, eine Bestimmung ins neue Mineralölsteuergesetz aufzunehmen, die vorsieht, die Steuerbefreiung nur zu gewähren, wenn die Kriterien der nachhaltigen Entwicklung erfüllt sind. Das Parlament nahm diese Argumente im Text des neuen Mineralölsteuergesetzes wieder auf. Somit wird ausschliesslich auf Produkte, bei denen umweltfreundliche und sozialverträgliche Herstellungs- und Umwandlungsbedingungen gewährleistet sind, eine Steuerbefreiung gewährt. Ähnliche Anforderungen werden auch auf europäischer Ebene diskutiert und die UNO arbeitet an einem Label zur nachhaltigen Entwicklung für Biotreibstoffe. Massnahmen zur Förderung von Biotreibstoffen stellen ein wichtiges Mittel für die Umsetzung von Anforderung zugunsten einer nachhaltigen Entwicklung dar.

6. Ist es nicht missbräuchlich von Bioethanol zu reden, wenn die landwirtschaftlichen Produkte gar nicht zwingend aus biologischem Anbau stammen? 

Die Vorsilbe "Bio" bezieht sich hier auf die pflanzliche Herkunft der Rohstoffe (Biomasse), im Gegensatz zu Syntheseethanol, das aus Erdöl gewonnen wird. Der Begriff "Agrotreibstoff" eignet sich nur für Produkte, die auf landwirtschaftlichen Erzeugnissen beruhen, was nicht für alle Biotreibstoffe zutrifft.

7. Wie werden sich die Ethanolherstellungskosten in der Schweiz entwickeln?    

Derzeit liegt der Herstellungspreis bei etwas mehr als einem Franken pro Liter, was einem Verkaufspreis von CHF 1.20 ab Delémont entspricht, d.h. nach Transport, Handling, Lagerung, Qualitätskontrolle usw. Die Herstellungskosten werden demnächst auf ungefähr einen Franken pro Liter sinken.

8. Wie hoch ist der Preis von Ethanol aus Brasilien?   
Zuerst muss erwähnt werden, dass Ethanol in entwässerter Form (Bioethanol als Treibstoff) in Europa strengen Anforderungen unterliegt, die längst nicht alle Produkte aus Brasilien erfüllen. Es kann aber dennoch in der Schweiz mit einem Preis von 85 bis 90 Rappen pro Liter für die geforderte Qualität gerechnet werden. Dies ist auch heute schon der Marktpreis, und zwar unabhängig von den Herstellungskosten. Es besteht eine starke Nachfrage nach brasilianischem Bioethanol, in Brasilien selbst sowie auf dem internationalen Markt. Neue Plantagen und Installationen werden an weniger vorteilhaften Standorten erstellt. Dadurch werden die Preise in die Höhe getrieben. Was das Schweizer Ethanol anbelangt, können die Preise aufgrund von sinkenden Rohstoffpreisen sowie verbesserten Herstellungsverfahren gesenkt werden. Der Unterschied wird sich demnach erheblich verkleinern.

9. Ist neuen Vertreibern von E85 oder bEnzin5 heute die Aufnahme der Steuerbefreiung ins neue Mineralölsteuergesetz garantiert?           

Dies ist im neuen Gesetz vorgesehen. In der entsprechenden Verordnung wird die Umsetzung genauer erläutert. Es ist auf jeden Fall eine deutliche Bereitschaft zur Steuerbefreiung von Biotreibstoffen vorhanden, denn es besteht ein Konsensus über die Notwendigkeit zur Förderung dieser erneuerbaren Energieform.

10. Welches sind die Auswirkungen des neuen Gesetzes für Alcosuisse und für die Herstellung auf nationaler Ebene?   

Es ist schon so gut wie sicher, dass sowohl auf einheimische als auch auf importierte Produkte eine Steuerbefreiung gewährt wird. Für die Schweizer Produktion wird es deshalb von höchster Bedeutung sein, dass eine Klausel der einheimischen Produktion einen Platz garantiert. Das Parlament hat dies bereits ins Gesetz aufgenommen. Der Bund jedoch teilt diese Auffassung nicht und spricht sich gegen die Anwendung dieses Prinzips aus. Der Schlussentscheid ist noch nicht bekannt.

11. Wo situiert sich das Projekt in Bezug auf den Klimarappen?       

Wir haben verschiedene Kontakte mit der Erdöl-Vereinigung, die unsere Anliegen gut kennt. Die Stiftung Klimarappen möchte eher den Vertrieb von Biotreibstoffen als deren Produktion unterstützen.  

12. Was wird geschehen, wenn Alcosuisse ihre Monopolstellung verlieren sollte?           

Ziel von Alcosuisse ist es nicht, sich hinter einer Monopolstellung zu verschanzen, um den Markt alleine zu beherrschen, sondern vielmehr denjenigen Lizenzen zu vergeben, die Ethanol einführen möchten. Alcosuisse wünscht jedoch, dass die Importe auf einer positiven Bilanz beruhen in Bezug auf die Nachhaltigkeit, und dass ein Teil des Rohstoffes aus Schweizer Produktion stammt. Sollte Alcosuisse die Monopolstellung verlieren, dann wäre Alcosuisse ein Akteur von anderen des Ethanolmarktes in der Schweiz. Sie würde sich auf bereits bestehende Installation und ihre Erfahrung stützen können.